Dreams of Dallas

Fette Tage in Dallas, Texas. Eine Junge Römer Reise-Story.

Als Österreicher jenseits der Vierzig verband ich bis vor Kurzem mit dem Wörtchen „Dallas“ hauptsächlich die dramatischen Verirrungen und öligen Machenschaften der imaginären Familie Ewing, die im Mittelpunkt der besonders einfallsreich nach dem Hauptschauplatz des Geschehens betitelten US-Seifenoper stand; – Haarsträubende Stories, die ich mir im zarten Alter von ungefähr acht Jahren allerdings mehrheitlich vorstellen musste und nur in den seltensten Fällen selbst vor der Glotze miterleben durfte. Als die Show nämlich in den Achtzigern über österreichische Röhrenfernsehgeräte flimmerte, befand ich mich meistens schon im Bett und musste mich mit den einprägsamen Klängen der Titelmelodie zufrieden geben, die sich aus den weiten, unerreichbaren Fernen des Wohnzimmers leise, still und heimlich in meine kindlichen Gehörgänge fraß: Tada, tada, tada da da daa da…

tada,

tada,…

„America, wenn's ihr ma glaubats, wie ma euch vermissen ka'“ (Falco, Amerika)

Ich hatte damals keine Ahnung, was in der Sendung überhaupt passierte, wer J.R Ewing, Cliff Barnes und Miss Ellie waren, und was sie hinter den spiegelnden Glasfassaden der ungewöhnlichen Wolkenkratzer, die in der Titelsequenz der Show zu sehen waren, alles so anstellten. Dem guten Larry Hagman durfte ich nur nachmittags zuschauen, wenn er in den Wieder­holungen von „Bezaubernde Jeannie“ den unbedarften Major Nelson gab. Wenn er schließlich nach Sonnenuntergang die Air Force Uniform gegen Stetson und Cowboystiefel tauschte, wurde ich unfairerweise des Raumes verwiesen. Was Dallas anging, blieben mir also nur der Soundtrack und meine achtjährige Fantasie – beides auf seine Weise großartig und in Kombination vermutlich weitaus unterhaltsamer als die „echte“ Show. Und so lag ich regelmäßig da und träumte mich nach Dallas. Nun, über dreißig Jahre später, kann ich endlich behaupten, tatsächlich dort gewesen zu sein. Und siehe da: Die Wolkenkratzer gibt es wirklich. So manch anderes kam dann aber doch überraschend.

BUSINESS AS (UN-)USUAL

Als Teil einer dreiköpfigen Junge Römer Delegation durfte ich zwei Wochen in den USA verbringen, eine davon in Dallas, Texas (später ging es nach New York City – mehr dazu demnächst). Was wir dort tagsüber taten, war für unsere Verhältnisse nicht ungewöhnlich. Wir trieben uns mit unserer Nokia Ozo auf mehreren Baustellen herum, um die Grundlage für neue Hilti-VR Erfahrungen zu schaffen. Soweit also Business as usual.

Recht ungewöhnlich war hingegen das ganze Drumherum, also eigentlich alles, was uns in dieser Woche jenseits der VR Sets unterkam.

Was einem gleich mal auffällt, wenn man ein wenig in Dallas herumspaziert, ist, wie leer die Straßen (im Gegensatz zur Erwartungshaltung eines TV-geprägten Europäers an US Großstädte) sind. Obwohl – ganz stimmt das natürlich nicht. Mehr oder weniger „leer“ sind lediglich die Gehsteige; die Straßen sind tatsächlich supervoll. Dallas ist nämlich eine Auto-Stadt.

Das Leben spielt sich zu einem nicht unwesentlichen Teil auf dicken Straßen ab, auf denen jede Menge wirklich dicke Autos fahren (seriously, die Autos dort sind gigantisch), in denen häufig auch richtig dicke Menschen hinterm Steuer sitzen.

Der Gehsteig wird nur betreten, wenn die paar Meter vom Parkplatz zur Reisedestination (in den meisten Fällen ein Restaurant bzw. eine Shoppingmall) zwangsläufig zu Fuß bestritten werden müssen. Und das auch nur, wenn besagte Destination nicht über Valet-Service verfügt, was in der Regel kaum vorkommt. Der Gehsteig ist also für ahnungslose Touristen und Sandler reserviert. Wenn man das mal verstanden hat, findet man sich schnell mit der Tatsache ab, dass man als Gast in Dallas entweder ein Auto zu mieten oder sich ein großzügiges Uber Budget anzusparen hat. Und das ist in mehrfacher Hinsicht praktisch, denn in Dallas ist es auch sehr heiß. Wie heiß? Sehr heiß. Zu heiß. Scheißheiß. Wenn man es nicht schafft, 99.9 % des Tages in direkter Nähe zu einer überambitionierten Klimaanlage zu verbringen, läuft man als durchschnittlicher Österreicher Gefahr, langsam und qualvoll am Asphalt zu verenden, während man unablässig und zum völligen Unverständnis der Ureinwohner die alt-österreichische Beschwörungsformel „bist du deppert…“ vor sich hin murmelt.

Was gibt es noch in Dallas außer Hitze und Autos?

HARDLY ANY COWBOYS

Was gibt es noch in Dallas außer Hitze und Autos? Genau – keine Cowboys. Oder fast keine, wie uns schließlich ein netter Uber Fahrer, der selbst erst vor einigen Jahren nach Texas gezogen war, bestätigen konnte: „Yeah, hardly any cowboys.“ Cowboyhüte und -Stiefel standen also nicht an der Tagesordnung; schade ums Klischee. Dafür gab es eines, und das im Überfluss: Freundlichkeit. Und zwar nicht nur von den Service-orientierten KellnerInnen, deren Wesen sich ziemlich genau diametral zum Wiener-Kaffeehaus Personal präsentiert, sondern von annähernd jedem Menschen, mit dem wir zu tun hatten, sei es der weirde Hoteldirektor oder der charmante homeless Tschickschnorrer. Die Texaner sind nie um ein Lächeln und eine Runde Small-Talk verlegen und scheinen sich tatsächlich für einen zu interessieren. Ob dies daran liegt, dass durchschnittlich jeder zweite in Texas mit einem Schießeisen bewaffnet durch die Gegend läuft? Ob die Leute so freundlich sind, weil sie ja nicht wissen können, wie locker die Glock des Gegenübers sitzt? Aber nein. Wir glauben fest daran, dass die Texaner einfach großteils in Ordnung sind. Btw: Niemand, und zwar wirklich absolut niemand (außer den Cops natürlich), trägt hier seine Waffe sichtbar am Körper. Das ist also auch nur ein Klischee, wie uns die Einheimischen bestätigen konnten, aber in dem Fall eines, um dass es wirklich nicht schade ist. So trägt jeder seine Puffn im Rucksack oder im Handtascherl mit sich herum, was es uns Touris leichter machte, nicht daran zu denken, dass sich theoretisch jede kleine Alltags-Streiterei in Sekundenschnelle in eine Szene aus John Wick verwandeln könnte.

KUNST UND COUNTRY

Was hat Dallas noch zu bieten? Eine ganze Menge eigentlich. Geile Museen zum Beispiel, wie das sehr proper bestückte und mit Gratis-Eintritt lockende „Dallas Museum of Arts“ oder das JFK-Museum, das viel unterhaltsamer ist, als man glauben mag, selbst wenn man jede Menge Bücher und Filme zu dem Thema konsumiert hat und meint, dass einem die Gschicht schon bei den Ohren rauskommen sollte.

Abends empfiehlt es sich, einen Abstecher nach Deep Ellum zu unternehmen, dem wirklich entzückenden Ausgehviertel der Stadt. Hier führt die Dallas-Version des Hipsters seinen getunten Ford Mustang öffentlich und lautstark vor, um seine Chancen zu erhöhen, eine junge Maid im heiratsfähigen Alter von sich und dem Einkommen seines Vaters überzeugen zu können. Hier kann man innerhalb von einer Stunde mehr Ausnahmemusiker erleben, die unentgeltlich in geilen Bars aufspielen, als man in einem ganzen Jahr in Wien finden mag, selbst, wenn man es darauf anlegt und bereit ist, dafür zu bezahlen. Hier kann man im „Twisted Root Burger“ den vielleicht besten Burger der ganzen USA schmausen, egal, ob man Veganer ist oder auf Bärenfleisch steht. Hier rinnt das Dallas Blonde sehr effizient die Kehle hinab, und wenn man von Country und Jazz die Schnauze voll hat, braucht man nur ein paar Minuten ziellos umher zu irren, und man wird garantiert einem prima Metal-Act in die Arme laufen, der die ersehnte musikalische Abwechslung kompetent serviert.

Und das ist noch lange nicht alles. In Dallas gibt’s auch jede Menge Barbecue, Tex Mex Ferkeleien und weiteres Zeug, das man in sich hineinwerfen kann, um sich körperlich an die Ureinwohner anzunähern. Es gibt coole Rooftopbars, die mit Pools, sagenhaftem Ausblick und salzigen Margaritas locken, das Statler Building, ein Aquarium, einen fantastischen botanischen Garten, der von äußerst mitteilungsbedürftigen Freiwilligen gehegt und gepflegt wird, es gibt Rodeos (die aber genau genommen nicht in Dallas, sondern im nahegelegenen Fort Worth stattfinden – trotzdem geil) und vieles mehr.

Aber irgendwann waren unsere Dreharbeiten abgeschlossen und schließlich kam der Moment, an dem wir uns von Dallas trennen mussten/konnten/durften – als „kleines“ Trostpflaster wartete vor unserer Heimreise noch ein mehrtägiger Aufenthalt in New York auf uns. Aber das ist eine (völlig) andere Geschichte, die ihr bald an dieser Stelle nachlesen könnt. Bis bald! Yee-Haw!

Yee-

Haw!

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Michael Lenzinger

Michael Lenzinger

Schreibt allerhand. Creative Director / Partner bei Junge Römer. Clowngitarrist bei You Should See the Other Guy
Michael Lenzinger

Michael Lenzinger

Schreibt allerhand. Creative Director / Partner bei Junge Römer. Clowngitarrist bei You Should See the Other Guy